Angst vor dem Trail – persönliche Einblicke einer Mountainbikerin

Dieser Beitrag wird dir sicher nicht zu 100 % die Angst vor Trails nehmen. Du erfährst auch kein Geheimrezept. Aber du wirst merken, dass es normal ist auch mal Angst zu haben. Angst ist nichts Schlimmes und Ängsten kann man sich auch stellen.

Ich bin Lisa und 26 Jahre alt. Vor rund 3,5 Jahren habe ich erst so richtig mit dem Mountainbiken begonnen. Ich wünsche mir so oft, dass ich diesen Schritt schon früher hätte wagen sollen, denn ich bin überzeugt, dass meine Angst dann kleiner wäre. Dieses was wäre, wenn …

Mittlerweile fahre ich knapp 10.000 km im Jahr, stehe bei Kurz- und Mitteldistanzen im Marathonbereich regelmäßig auf dem Treppchen und schreibe seit Oktober 2016 einen sehr erfolgreichen Blog über gesunde Ernährung und Radsport. Eigentlich sollte man meinen, dass ich eine Vollblutmountainbikerin bin. Doch so fühle ich mich nicht immer.

Wenn ich absteigen muss, weil mein Kopf nur noch nein sagt, dann fühle ich mich immer schlecht.

Angst auf  dem MTB Trail.

Was in meinem Kopf vorgeht – die ungeschönte Wahrheit

Letztens wollte ich mit meinem Freund ein paar (für mich) neue Trails mit dem Fully in der Umgebung testen. Er fuhr los. War weg. Ich sah nur noch, wie er spaßig die Bremse zog und um die Kurve driftete. Da dachte ich schon „OMG, so was werde ich nie können“. Die erste leichte Panik stieg auf. Ich fuhr vorsichtig, versuchte ruhig zu bleiben. Neue Trails sind für mich immer extrem schwer, weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Ich habe immer Angst, dass ich nicht rechtzeitig bremsen kann. Angst, dass ein Hindernis kommt, welches ich nicht überwinden kann. Es kamen ein paar größere Wurzeln, Steine und leichte Stufen. Das bin ich alles gefahren, aber immer mit einem leicht flauen Gefühl im Magen. Dann bin ich das erste Mal abgestiegen, weil ein riesiges Matschloch kam.

Ich hatte plötzlich total Angst, dass ich darin ausrutschte und keine Kontrolle mehr hatte. Dass die Angst total unbegründet war, kam mir erst im Nachhinein. Vor einem Jahr bin ich während eines Wettkampfes im Regen ständig durch solche Matschlöcher gefahren. Mir war das komplett egal, weil ich im Tunnel war. Ich war richtig schnell und hatte nie das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Also habe ich mich richtig über mich selbst geärgert, dass ich mit Fully, Flatpedals und langsamer Geschwindigkeit absteigen musste, obwohl ich schon mit Hardtail, dünneren Reifen und Klickis im Starkregen so was gefahren bin.

Als ich wieder auf dem Bike war, ging es weiter. Es folgte ein weiterer Trail, bei dem mein Freund mir schon ankündigte, dass das letzte Stück etwas schwieriger sei und er an dem Stück warten würde, um mich zu warnen. Mein Respekt wuchs. Ich fuhr mega vorsichtig, weil ich nicht einschätzen konnte, ob vor besagter Stelle schon was Schlimmes kommt. Es kam noch eine engere Kurve, bei der ich mit einem Fuß abgestiegen bin. Danach dachte ich schon wieder, dass ich die doch locker hätte fahren können.

Dann kam dieses schlimme Stück und es war wirklich unfahrbar. Sogar für meinen Freund. Steil, felsig – absolut nichts für mich. Durch mein kaputtes Knie bin ich zu Fuß in solchem Gelände mega vorsichtig. Ich war komplett überfordert damit, mein Bike runterzutragen. Mein Kopf sagte nur noch nein. Ich wusste nicht mehr weiter und fing an zu weinen. Mir war alles zu viel. So macht Radfahren doch keinen Spaß. Mir schossen 1000 Gedanken durch den Kopf. Habe ich das falsche Hobby? Warum können andere das und ich nicht? Warum habe ich so viel Angst? Letztlich hat mein Freund dann für mich mein Rad den Trail runtergefahren. Ich bin runtergewandert. Wenigstens ist mein Bike also gefahren, wenigstens hatte einer von uns beiden Trail-Genuss. Mein Bike kann das nämlich, das Problem bin ich.

Danach war geplant, ein weiterer Trail zu fahren. Ich wusste aber nicht, ob ich ihn in meinem jetzigen Zustand fahren konnte. Darum bin ich ihn erst zu Fuß abgelaufen und sagte dann zu meinem Freund, dass er machbar ist, aber ich runterfahre heute lieber nicht. Er war mir überhaupt nicht böse und wollte mit mir heim fahren. Nach 100 Metern kam mein Selbstvertrauen zurück. Ich fragte ihn, ob wir nicht doch fahren sollen und ob er vielleicht langsam vor mir fahren könnte. So machten wir das also. Er fuhr direkt vor mir und sagte an, wie es weitergeht. „Lange Linkskurve, lange Rechtskurve, jetzt wirds kurz steil …“. Und was soll ich sagen? Ich bin ihn gefahren. Ich hatte kaum mehr Angst. Und ich weiß, dass ich diesen Trail ab jetzt IMMER fahren werde.

Es gibt gute Tage und schlechte Tage auf dem MTB

An manchen Tagen bin ich mega mutig und überwinde Hindernisse ohne Probleme. Aber an anderen Tagen habe ich einfach nur Angst. So auch an dem Tag, den ich eben beschrieben habe. Das fühlt sich dann ein wenig wie die Prüfungsangst an, die ich damals im Studium hatte. Der Kopf ist leer und ich weiß einfach nicht mehr, was ich jetzt tun soll. Das ist schwer zu erklären und ich bin mir sicher, dass das einige Menschen nicht nachvollziehen können.

Ich weiß nicht, ob das mit meinem Zyklus zu tun hat, oder mit meiner allgemeinen Stimmung, dass ich manchmal mutiger auf dem Mountainbike bin und manchmal mehr Angst habe.

Was ich persönlich gegen meine Angst beim Mountainbiken mache

Inzwischen ist es mit meiner Angst viel besser geworden und solche extreme Angstattacke wie oben beschrieben, kommen kaum mehr vor. Darum möchte ich dir jetzt ein paar Tipps geben, die mir sehr weitergeholfen haben:

Angst beim Trail fahren mit dem Mountainbike.

Weniger Luftdruck, breite Reifen, abgesenkter Sattel und Flatpedals für mehr Kontrolle

Vor 2 Jahren habe ich mir ein Fully aufgebaut. Nicht, weil die Trails, die ich so fahre, so krass sind, sondern weil es mir hilft besser mit der Angst umzugehen. Alles, was ich fahre, kann man auch gut mit dem Hardtail fahren. Aber mit dem Fully habe ich breitere Reifen, eine absenkbare Sattelstütze, mehr Federung und eine ganz andere Sitzposition. Damit fällt es mir viel leichter, technische Strecken zu fahren. Außerdem fahre ich an dem Fully Flat Pedals. Schon allein der Gedanke, dass ich jederzeit einfach absteigen kann, nimmt mir viel Angst. Bikecoach Roxy empfiehlt übrigens auch Flatpedals in solchen Situationen zu fahren.

Zum Interview: Roxy von RoxyBike – Mentaltrainerin und Bikeguide

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Fahre mit den richtigen Personen Trails

Auch diese Erfahrung habe ich schon gemacht. Mein Freund ist mega stark auf Trails und er möchte jeden Trail genießen. Sprich, er fährt einfach los und ich sehe ihn nie wieder. So was ist wirklich nicht hilfreich für Menschen, die Angst haben. Er hat sich inzwischen stark gebessert und ist auch viel einfühlsamer diesbezüglich geworden. Aber es gibt auch Menschen, mit denen ich aus solchen Gründen keine Trails fahre, weil sie mich überfordern und kaum Rücksicht nehmen.

Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass es einfacher für mich ist, mit anderen Frauen Trails zu fahren. Die verstehen oft die Ängste beim Mountainbiken besser und können mental besser unterstützen.

Zum Beitrag: So findest du andere Frauen, die auch Mountainbike fahren

Frauen auf einem wurzligen Mountainbike Trail.

Techniktraining und üben, üben, üben

Mir hat es sehr geholfen, ein Techniktraining für Frauen zu machen. Wenn man immer wieder dieselbe Situation übt, dann fällt es einem leichter auf dem Trail die Situation zu meistern. Außerdem kenne ich meine Hometrails schon in- und auswendig, weil ich diese regelmäßig fahre. Anfangs bin ich sie mit dem Fully gefahren, inzwischen fahre ich sie auch alle mit dem Hardtail und sogar richtig schnell und sicher. Je mehr du übst, desto sicherer wirst du. Im Internet gibt es übrigens auch viele Anleitungen und Videos, mit denen du deine Fahrtechnik verbessern kannst. Ein paar Online-Anlaufstellen für Fahrtechnik:

Den Trail genau anschauen

Ich versuche sooft es geht mir den Trail vorher genau anzuschauen. Sprich zu Fuß abzulaufen und mir spezielle Stellen zu merken. Nichts anderes mache ich mit den Wettkampfstrecken. Diese fahre ich in der Regel auch erst einmal langsam ab, bevor ich im Wettkampf dann durchschreddere.

Außerdem hilft es oft, wenn jemand in deiner Geschwindigkeit vor dir fährt und du dich an den Linien des anderen orientieren kannst.

Mit dem Mountainbike auf dem Trail.

Genau für Beiträge wie diesen gibt es MountainbikeLiebe. Angst ist normal, aber auch definitiv etwas, was man lindern kann. Denk immer daran, was du bisher schon geschafft hast und sei stolz auf dich selbst. <3

Deine Lisa.

3 Gedanken zu „Angst vor dem Trail – persönliche Einblicke einer Mountainbikerin“

  1. Oh wie ich das kenne. Gut, bin auch 45 und darf da etwas ängstlicher sein 😉
    Aber schon krass, wie ein Gedanke alles zum stoppen bringen kann. Und das mit der „richtigen“ Person die mitfährt habe ich auch so gemerkt.
    Danke für den Artikel. Er macht mir definitiv Hoffnung, dass es besser wird 🙂

    Antworten
    • Hallo Jochen,

      ich denke auch, dass mit dem Alter die Angst zunimmt. Hätte ich mich wohl schon vor ein paar Jahren damit beschäftigt, wäre es sicher deutlich einfacher gewesen. Aber man kann alles lernen und ich arbeite selber stark dran, dass es besser wird. Die Tendenzen stehen gut. 🙂

      Viele Grüße
      Lisa

      Antworten
  2. Hallo Lisa,
    du sprichst mir komplett aus der Seele.. 😯 ich bin nach knapp 30 Jahren im Alter von 45 auf ein altes Mountain Bike gestiegen… lockdown etc…. Laufen mag ich nicht biken eigentlich auch nicht 😅 konnte mir auch kein Ebike leisten… und irgendwie bin ich dann bei nem Fully gelandet… bis dahin habe ich nicht geahnt dass es so was überhaupt gibt 😂
    Ja und nun gibt es immer wieder diese von dir beschriebenen Tage… aber ich will es unbedingt… ich werde dran bleiben! Danke für Deinen Bericht, zu wissen dass man nicht allein ist macht es leichter 🥰

    So auch an dem Tag, den ich eben beschrieben habe. Das fühlt sich dann ein bisschen wie die Prüfungsangst an, die ich damals im Studium hatte. Der Kopf ist leer und ich weiß einfach nicht mehr, was ich jetzt tun soll. Das ist schwer zu erklären und ich bin mir sicher, dass das einige Menschen nicht nachvollziehen können: kann ich zu 100% nachempfinden 😅😅😅
    Und die Abschnitte davor drücken genau meine Ängste aus..

    Ich will weiter dran bleiben und geduldig auch mit mir selber sein!
    LG Dany

    Antworten

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