Bikepacking als Mädelsurlaub

Bikepacking als Mädelsurlaub

Du liebst dein Rad und willst es auch im Urlaub nicht missen? Dann ist so eine Radreise vielleicht genau das Richtige für dich! Für mich war dies die erste Radreise, bei der wir unser Gepäck komplett am Fahrrad mittransportiert haben. Unsere Erfahrungen und Tipps für diese erste Bikepackingtour wollen wir mit dir in diesem Beitrag teilen.

Eines vorweg: Da wir schließlich unser Mountainbike lieben, sind wir selbstverständlich diese Tour mit unseren Mountainbike Hardtails gefahren. Diese sind recht leicht und bieten durch die Sitzposition und Gabelfederung den Komfort, den man für längere Strecken braucht. Zudem waren auch die breiten Reifen bei dem zum Teil sandigen Untergrund oder auf Pflastersteinen hilfreich.

Bikepacking Planung

Zunächst zur Planung. Unser Ziel war eine Rundreise durch die Niederlande. Einerseits weil uns das Land interessiert hat, andererseits weil wir uns eine flache Strecke ohne viele Höhenmeter für unsere erste große Bikepackingtour gewünscht haben. Für uns war das die richtige Entscheidung und diesen Rat würde ich auch jedem, der zum ersten Mal länger mit dem Rad unterwegs ist, geben. Wir haben rund 500 km für fünf Tage eingeplant. Dass wir diese Strecke ohne Probleme bewältigen können, konnten wir anhand unseres Fitnesslevels ganz gut einschätzen.

Es ist nicht ratsam dich bei der Streckenlänge zu überfordern, wenn du danach noch mehrere Tage weiterfahren musst.

Übernachtungen während der Radreise

Eine Möglichkeit, und vor allem die flexibelste, ist es, das Zelt einzupacken und unterwegs zu zelten. Wenn man allerdings allein als Frau unterwegs ist und nicht allein zelten möchte oder, wie wir, den Komfort einer Dusche und eines bequemen Bettes bevorzugt, dann sind Hostels eine gute und günstige Alternative.

Wir haben die meisten Hostels über bikepackingholland gebucht. Das ist eine Plattform, worüber direkt mehrere Hostels für den anstehenden Trip gebucht werden können. Die kooperierenden Hostels sind alle auf Fahrradfahrer eingestellt und zudem sehr stylish. Nur unsere letzte Unterkunft, eine Jurte, haben wir über Airbnb gebucht.

Gestartet sind wir direkt an der deutsch-niederländischen Grenze, dort haben wir bei einem Bekannten am Tag davor übernachtet und konnten dann direkt von dort starten.

Die Bikepacking-Route

Die genaue Routenplanung haben wir mit der App Komoot gemacht. Relativ simpel habe ich zunächst Anfang und Endpunkt eingegeben. Dabei wurde ich direkt immer von Komoot gewarnt, dass der Streckenabschnitt viele Fährfahrten enthält. Da wir das nicht wollten, haben wir die Strecken meist so umgeplant, dass wir die meisten Fähren vermeiden konnten. Die Fähren dort sind zwar nicht teuer, jedoch muss man zum Teil warten bis die nächste Fähre fährt und vor allem abends fahren die Fähren irgendwann gar nicht mehr.

Zusätzlich haben wir in die Tourenplanung besonders schöne Streckenabschnitte mit eingebaut: Abschnitte durch Dünen, am Meer entlang und durch die Groote Heide. Hierfür ist es auch hilfreich sich vorher mit anderen auszutauschen. Wir haben beispielsweise über Instagram noch ein paar gute Tipps von Followern bekommen.

Packtaschen

Da wir beide keinen Gepäckträger an unseren Fahrrädern hatten, mussten wir auf Packtaschen, die ohne Gepäckträger auskommen, zurückgreifen. Wir hatten beide jeweils eine Satteltasche, eine Lenkertasche und einen Rucksack. Lisa hatte zusätzlich noch eine Rahmentasche und eine kleine Tasche auf dem Oberrohr.

Wir haben darauf geachtet, den Rucksack nicht zu schwer zu beladen, dann war auch das Fahren mit Rucksack nicht unangenehm.

Unsere Fahrradtaschen waren zum Großteil wasserdicht, für den Rucksack hatten wir einen Regenüberzieher dabei.

Es ist dabei sehr empfehlenswert, vor allem für kleine Frauen, die Packtaschen frühzeitig vor der Reise am Fahrrad auszuprobieren.

Gerade, wenn sich der Sattel nur knapp über dem Hinterreifen befindet, kann der Platz knapp sein, sodass die Tasche streift. Wenn das der Fall sein sollte, so kann man sich damit behelfen, mit Schnüren oder Spanngurten die Tasche etwas näher unter den Sattel zu binden, oder man verwendet einen speziellen Adapter (z. B. von topeak), der die Packtasche etwas weiter nach hinten schiebt.

Auch kann es passieren, dass die Lenkertasche am Vorderreifen kurzzeitig am Vorderrad streift, wenn man über ein Schlagloch fährt und die Gabel eintaucht. Wir haben daher die Unterseiten von unserer Lenkertasche und Satteltasche mit einem Streifen Panzertape geschützt, damit beim Reifenkontakt nicht direkt die Packtasche beschädigt wird.

Verpflegung

Um nie in ein Hungerloch zu fallen, haben wir sehr regelmäßig gegessen – etwa alle zwanzig bis dreißig Kilometer. Über den Tag hinweg eher Kleinigkeiten wie Brötchen vom Bäcker, Riegel, Obst, Eis und Kuchen. Abends sind wir meistens essen gegangen. In den Hostels gibt es manchmal auch die Möglichkeit ein Lunchpaket mitzunehmen. Das ist sehr praktisch, falls gerade kein Bäcker auf dem Weg liegt und haben wir auch einmal gemacht.

Getrunken haben wir kontinuierlich Wasser aus unserer Trinkblase – auch ein Grund, der für einen Rucksack spricht.

Packliste

Ich persönlich finde es wichtig, immer zu wissen, was ich wo eingepackt habe.

Jeder hat dabei seine eigene Systematik. Im Folgenden zeige ich euch auf, wie ich es gemacht habe. Prinzipiell habe ich, um Gewicht zu sparen recht minimalistisch gepackt.

In meinem Rucksack hatte ich meine Trinkblase, alle Wertsachen, Ladekabel, Erste Hilfe Set, Fahrradwerkzeug sowie Riegel und Essen. Zum Fahrradwerkzeug gehören Minitool, Ersatzschlauch, Flickwerkzeug für Tubelessreifen, Luftpumpe, Spanngurte, Panzertape und Kabelbinder.

In meiner Satteltasche hatte ich alle Klamotten und mein kleines Mikrofaserhandtuch. Als Freizeitkleidung hatte ich ein T-Shirt, sowie eine kurze Hose und eine Jeggings eingepackt. Als Radbekleidung hatte ich drei Trikots, zwei kurze Radhosen, eine lange Sporthose, einen Sport-BH, einen Windbreaker mit abnehmbaren Ärmeln, Regenbekleidung (Jacke, kurze Hose und Überschuhe) und eine etwas dickere Goretex-Jacke eingepackt.

In meiner Lenkertasche habe ich alles Sonstige: Meine Hängematte, meine Ersatzschuhe, Fahrradschloss und meinen Kulturbeutel. Als Ersatzschuhe habe ich Chucks eingepackt. Diese brauchen nicht viel Platz. Falls meine Fahrradschuhe nass werden sollten, kann ich (weil ich Wendepedale habe) auch mit diesen Schuhen fahren.

Reisebericht

Tag 1 – 75 km: Gestartet sind wir von Nettetal an der deutsch-niederländischen Grenze. Die ersten Kilometer mussten wir noch öfters anhalten und unsere Packtaschen kräftiger festzurren und optimieren, sodass nichts streift. An den folgenden Tagen war das allerdings kein Problem mehr. Sobald wir über der Grenze waren, sind wir im Land der Fahrradwege angekommen. Traumhaft! Überall eine eigene Fahrradspur, egal ob in der Stadt oder im Wald. Landschaftlich wunderschön war die Groote Heide, durch die wir an diesem Tag gefahren sind. Im Waldstück gab es ein riesiges Netz aus wunderschönen Trails für Mountainbiker, da lohnt es sich die Augen offenzuhalten und zu schauen, welche Wege sich rechts und links vom offiziellen Fahrradweg befinden. Danach sind wir durch die lila blühende Heide gefahren. Dort war der Fahrradweg etwas schmaler und wir mussten auf die entgegenkommenden Rentner achtgeben, die ihr Hollandrad nicht immer so ganz unter Kontrolle hatten. Auffällig war außerdem, dass außer uns, niemand mit Fahrradhelm unterwegs war. Am späten Nachmittag sind wir dann im Harba Lorifa Hostel in Valkenswaard angekommen. In der sehr stylish eingerichteten Lounge haben wir erst mal eine kühle Cola und Kaffee getrunken. Es gab außerdem eine kleine Fahrradpflegestation. Neben den klassischen Schlafsälen gibt es in diesem Hostel auch die Möglichkeit in einem Tiny House zu schlafen, was wir auch gemacht haben.

Tag 2 – 154 km: Mit dem Frühstückspaket vom Harba Lorifa Hostel im Gepäck sind wir losgefahren in Richtung Den Haag. An diesem Tag hatten wir die längste Strecke vor uns und sind daher schon um 7 Uhr gestartet. Landschaftlich hervorragend sind wir lange Strecken an Flüssen entlang gefahren. Unser Ziel, das King Kool Hostel, haben wir dann am Abend auch erreicht. Dort haben wir in einem Mehrbettzimmer übernachtet. Vor allem die Bar, aber auch alle Gemeinschaftsräume, waren sehr farbenfroh gestaltet.

Tag 3 – 82 km: Dieser Streckenabschnitt war unser schönster. Wir sind durch die Dünenlandschaft und direkt am Meer entlang gefahren. Ein Badestopp durfte da selbstverständlich auch nicht fehlen. Unsere Unterkunft am Abend war ein kleines Häuschen auf dem Zeeburg Campingplatz in Amsterdam. Neben den klassischen Campingmöglichkeiten gab es auch kleine Häuschen, Tonnen und Bauwägen zur Übernachtung.

Tag 4 – 104 km: Unser nächstes Ziel war ein Campingplatz in Olburgen. Dort hatten wir über Airbnb eine Jurte gemietet. An diesem Tag mussten wir einen kleinen Zwischenstopp an einer Fahrradwerkstatt einlegen, weil sich meine Kurbel gelockert hatte und diese wieder festgezogen werden musste. Dann konnte es aber auch schon wieder weitergehen. Ein kleines Tageshighlight war die Fährfahrt an diesem Tag, an einer Stelle, an der es keine Brücke gab.

Bisher hatten wir immer perfektes Fahrradfahrwetter, doch die letzten zwei Stunden an diesem Tag regnete es stark und trotz Regenkleidung waren wir völlig durchnässt. Da waren wir echt froh, eine große Jurte zu haben und genügend Wechselkleidung, die in unseren Fahrradtaschen zum Glück tatsächlich trocken geblieben ist.

Tag 5 – 103 km: Letzte Etappe wieder zurück nach Deutschland. Auf dem Weg haben wir wieder einige Windräder gesehen und haben noch letzte Souvenirs -Käseräder – besorgt.

Fazit

Sind wir jetzt mit dem Bikepacking Virus angesteckt?

Jein. Es war ein wunderschöner Urlaub und wir würden es definitiv genau wieder so machen! Mit den Hostels als Übernachtungsmöglichkeit und der ausgewählten Strecke war es perfekt. Auch die Länge von fünf Tagen war genau richtig für uns. Danach hat es uns allerdings erst mal gereicht. Klassisches Bikepacking mit Zelt können wir uns für uns jedoch eher nicht vorstellen für eine komplette Woche, da uns im Falle von Regen einfach der Komfort fehlt. Außerdem hätte man dadurch auch mehr Gepäck, keinen Strom, keine Toilette und Dusche, kein fließendes Wasser.

Diese Bikepackingtour “light”, so wie wir sie gemacht haben, war für uns allerdings optimal und können wir so definitiv weiterempfehlen!

Grüßle, Johanna

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.