Nathalie vom Golden Ride Magazin im Interview

Heute möchten wir euch Nathalie vorstellen. Sie ist nicht nur eine leidenschaftliche Mountainbikerin, sondern schreibt auch für Frauen, die leidenschaftlich auf dem Bike unterwegs sind. Und zwar in ihrem eigenen Magazin. Ein Magazin speziell für Frauen, die gerne Mountainbiken, Surfen und Snowboarden: Das Golden Ride Magazin.

MountainbikeLiebe: Liebe Nathalie, auch du hast es dir zur Aufgabe gemacht, die Frauen im Mountainbike Sport zu supporten. Möchtest du dich unseren Leserinnen kurz vorstellen und erzählen, wie du zum Mountainbiken gekommen bist?

Nathalie: Hallo Lisa, das mache ich sehr gerne. Ich bin die Nathalie, in der Zwischenzeit schon 38 Jahre alt und verlege zusammen mit meinen Kollegen Anita und Kris das Golden Ride Magazine, das einzige Mountainbike, Surf und Snowboard-Magazin für Frauen, seit fast 15 Jahren im Eigenverlag.

Zum Mountainbiken bin ich tatsächlich über ein paar Umwege gekommen. In meiner Kindheit und Jugend war Fahrrad fahren immer das Größte für mich. Ich war den ganzen Tag mit den Jungs auf dem Bike unterwegs. Dann ist das Fahrrad aber etwas in Vergessenheit geraten und ich habe mich lange sportlich eher auf das Snowboarden und Surfen konzentriert.

Unser Grafiker Kris ist schon ewig eingefleischter Downhiller und so kam es, dass wir natürlich auch bei dem ein oder anderen Summer Camp immer mal wieder auf dem Bike saßen. Es hat mir damals zwar Spaß gemacht, aber wenn ich einen Sport betreibe, dann auch zu 100 %. Mit all meinen anderen Hobbys war da einfach kein Platz für das Mountainbiken.

So richtig hat es dann erst angefangen, als ich meinen damaligen Freund, jetzt Mann, kennengelernt habe. Seitdem sind wir eigentlich durchgängig in ganz Europa mit dem Bike unterwegs und sind immer auf der Suche nach neuen Trails und Regionen. Seit 2019 leider nicht mehr ganz so viel wie davor, weil wir seitdem zu dritt sind – aber wir versuchen trotzdem auf genügend Tage auf dem Bike zu kommen. Und wenn unser Sohn dann älter wird, werden es hoffentlich wieder mehr…

Aber wie es so sein musste, sind dafür andere Hobbys auf der Strecke geblieben: Surfen und Berggehen war ich seitdem kaum mehr. Man hat leider nicht genügend Zeit für alles.

Frauen auf dem Mountainbike Trail.

MountainbikeLiebe: Was genau ist das Golden Ride Magazin und wie kam es von der Idee zum ersten Druck?

Nathalie: Wie ich oben schon kurz erwähnt habe, ist Golden Ride ein Surf, Snowboard und Mountainbike Magazin für Frauen. Wir bringen drei Printmagazine im Jahr heraus, eines pro Sportart und haben dazu eine Website mit viel Content, einen Podcast und noch mehr. Ich zähle die Sportarten in der Reihenfolge auf, weil wir Mountainbiken erst 2019 mit aufgenommen haben. Wir haben schon 2007 gestartet – damals mit unseren Leidenschaften Snowboarden und Surfen.

Die Magazine, die damals auf dem Markt waren, haben einfach nicht dem entsprochen, was wir uns gewünscht hätten. Weibliche Athletinnen wurden im Inhalt kaum berücksichtigt, geschweige denn, dass Frauen einen Platz auf der Titelseite bekommen und auch Produkte, Mode und mehr sind bei „Unisex“ Magazinen sehr auf die männlichen Leser ausgerichtet. Also haben wir uns zusammengesponnen, wie das perfekte Magazin aussehen könnte.

Ideen sind schön und gut – und in einer durchzechten Nacht in Barcelona haben wir uns entschlossen, es doch einfach mal zu probieren.

Im Nachhinein ganz schön verrückt, als jungen Studentinnen mit absolut keiner Ahnung von Magazingestaltung, Journalismus, Verlagswesen und BWL einen kleinen Verlag zu gründen, aber wir haben es trotzdem getan. Ich steckte gerade im Anfang meines Geowissenschaften-Studiums, Anita studierte Fotografie und Kris arbeitet in einem Copy-Shop. Das war im Herbst 2006.

Wir haben einen Dummy gebastelt, wie das Magazin aussehen sollte und haben Termine mit den Marketing-Managern der großen Snowboard- und Surf-Firmen auf der Sportmesse ISPO Ende Januar 2007 gemacht. Wir wurden natürlich mehr belächelt als ernst genommen. Schließlich sollte das neue Magazin von den jungen Studentinnen auch noch knapp zwei Monate nach der ISPO auf den Markt kommen. Uns war damals absolut nicht klar, dass Budgets natürlich schon längst verplant waren und dass die Firmen nicht Hals über Kopf in uns investieren. Aber irgendwie haben wir es dann doch geschafft drei Anzeigen für unser erstes Magazin zu verkaufen; das restliche Budget, dass wir benötigten, liehen wir uns von Freunden und Familie, und so stand Ende März 2007 die erste Ausgabe Golden Ride im gesamten deutschsprachigen Raum in den Läden.

Nachdem das Mountainbiken einen immer wichtigeren Part in meinem Leben eingenommen hatte, Kris eh schon immer auf seinem Downhiller unterwegs war und auch Anita das Mountainbiken für sich entdeckte, war klar, dass wir auch in der Golden Ride das Thema Mountainbike unterbringen mussten. Schließlich haben wir mit Golden Ride schon immer unseren Leidenschaften eine Plattform gegeben.

Nathalie mit dem Mountainbike im Bikepark.

MountainbikeLiebe: Du hast es geschafft Leidenschaft und Beruf zu vereinen. Wie sieht dabei dein Alltag aus?

Nathalie: Haha…gute Frage. Leider unspektakulärer als die meisten es denken. Wir sind ein Unternehmen wie jedes andere, das heißt auch bei uns wird die meiste Arbeit am Computer gemacht. Ich mache bei uns das Marketing, Sales, kümmere mich um den Vertrieb, die Buchhaltung, den Abo-Service und machen zusammen mit Anita die Inhalte der Website, unserer Social-Media-Kanäle und den Podcast. Zudem schreibe ich auch ab und an – hauptsächlich die Artikel für die Bike Issue.

Golden Ride Magazin

Ziemlich klassischen Büroarbeit also. Mal hier eine Messe, mal ein Fotoshooting oder ein Event, aber meist sitze ich am Schreibtisch. Aber klar, dadurch, dass es unsere eigene Firma ist, haben wir natürlich viele Vorteile, die andere nicht haben. Wenn das Wetter gut ist, bleibt der Computer auch mal aus und wir gehen Mountainbiken oder Snowboarden. Und natürlich können wir schon immer ortsunabhängig arbeiten.

Aber oft denken die Leute, auch aufgrund unseres Social Media Auftritts und der Storys, dass wir ständig am Reisen sind. So ist es leider nicht. Wenn wir selbst Urlaub machen und es eine Story hergibt, verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen, aber viele der Reise-Storys stammen von Freelancern.

So ist das mit Social Media nun mal, oft wird ein ganz falscher Eindruck vermittelt.

Zudem ist es gar nicht so einfach von „seiner Leidenschaft“ zu leben. Von einem Magazin, dass so eine kleine Nische bedient, können drei Personen leider nicht leben. Wir alle arbeiten noch als Freelancer für externe Kunden nebenbei.

MountainbikeLiebe: Was macht dir bei deinem Job am meisten Spaß?

Nathalie: Eigentlich die Tatsache, dass ich für mich selbst arbeite und nicht für jemand anderen. Mit 38 Jahren noch nie ein Vollzeit-Angestelltenverhältnis gehabt zu haben und schon während der Uni mit meinem eigenen Business gestartet habe, ist das Beste.

Am meisten Spaß macht es mir Events zu planen und umsetzen, Reisen und uns einfach neue Dinge auszudenken, die wir dann umsetzen können. Nachdem wir ja selbst Chef sind, können wir alles tun, worauf wir Lust haben 😊

Aber es gibt genauso viele Dinge, die nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen und trotzdem gemacht werden müssen. Ganz oben ist da die Buchhaltung…

MountainbikeLiebe: Wieso braucht es deiner Meinung nach ein Abenteuer- und Sportmagazin speziell für Frauen?

Nathalie: Es braucht Magazine wie Golden Ride, weil Frauen leider noch immer nicht den Platz in den Medien bekommen, den sie verdienen. Die „Unisex“ Magazine stellen noch immer den Mann in den Mittelpunkt. Sei es mit Storys, Produkten und natürlich in Bildern.

Es gibt so viele tolle Frauen da draußen, deren Storys auch erzählt werden müssen.

Zudem brauchst du als Frau ein Vorbild, mit dem du dich identifizieren kannst. Realistische Ziele motivieren viel mehr als Dinge, die du sowieso nie erreichen wirst.

Uns persönlich waren die „Unisex“ Magazine auch immer viel zu technisch. Das ist jetzt natürlich Ansichtssache, anderen Frauen mögen das vielleicht. Aber ich möchte in einem Magazin schöne Geschichten und spannende Interviews lesen, und nicht einen Bike-Test angereiht an den nächsten. Für solche „schnelllebigen“ Inhalte gehe ich lieber ins Internet. So ein Magazin sollte für mich zeitlos sein. Ich möchte mich von den Storys inspirieren lassen und sie müssen die Lust zu Reisen und Neues zu entdecken in mir wecken.

MountainbikeLiebe: Frauen gehen leider oft im Mountainbike Sport etwas unter. Mit dem Golden Ride Magazin und dem dazugehörigen Podcast gebt ihr den Frauen definitiv mehr Sichtbarkeit. Hast du das Gefühl, dass Frauen in diesem Sport mittlerweile immer ernster genommen werden? Wie sind die Rückmeldungen bei euch?

Nathalie: Ja, tatsächlich hat sich da in den letzten Jahren glücklicherweise schon sehr viel getan. Es gibt immer mehr Angebot speziell für Frauen – seinen es Produkte oder Coachings und Camps. Das ist definitiv eine hervorragende Sache und nimmt Anfängerinnen die Angst vor dem Einstieg. Aber leider fehlt, besonders beim professionellen Sport, noch einige Dinge. Aber wir sind auf jeden Fall auf einem guten Weg und es freut uns zu sehen, dass immer mehr und mehr Frauen mit dem Mountainbiken beginnen.

Wir merken das sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld: Die Frauen freuen sich auf das Magazin, finden es gut, dass wir auch Themen wie Schwangerschaft und Familie ansprechen, und fühlen sich natürlich durch ein Magazin, das ihren Bedürfnissen entspricht, ernst genommen.

Frauen auf dem Mountainbike.

Wir danken Nathalie für das tolle und ehrliche Gespräch! Tatsächlich haben wir mit unserem Blog ähnliche Erfahrungen gemacht. Frauen würden einfach gerne auch über spezielle Frauenthemen lesen. Uns als Autoren geht es ja genau so.

Hast du ein Thema, über das du gerne mal lesen würdest? Dann schreib uns in die Kommentare und wir basteln einen informativen Beitrag daraus oder laden einen passenden Interviewpartner ein. 🙂

PS. Vergesst auch nicht, euch die aktuelle Bike Issue des Golden Ride Magazins zu sichern.

Golden Ride Magazin Bike Isssue 2021

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